Interview optiMST| Uwe Kuehn, Teilnehmer am Berlin Quantum Hackathon 2026 von TU Berlin (Fakultät IV – Elektrotechnik und Informatik Institut für Telekommunikationssysteme)

Einblicke in den Berlin Quantum Hackathon

 

Quantencomputing (QC) gilt als eine der Schlüsseltechnologien für die Zukunft und bildet im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland und der Deeptech Berlin Agenda einen innovationspolitischen Schwerpunkt des Bundes und des Landes Berlin. Aus diesem Grund stärkt und vernetzt die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Betriebe und Energie in Kooperation mit der vom Land Berlin geförderten Initiative Berlin Quantum gezielt Start-ups, Forschende und Unternehmen aus diesem Bereich, um Berlin als einen der weltweit führenden Standorte für Quantencomputing zu etablieren. Der Berlin Quantum Hackathon 2026 war ein Bestandteil dieser Arbeit. Wir haben mit dem Teilnehmer Uwe Kuehn von der TU Berlin über den Hackathon und QC in Berlin gesprochen. 

 

1. Sie sind beim Hackathon zusammen mit vier anderen als Team QuTUBe angetreten. Für welche der beiden Challenges, die angeboten wurden, haben Sie sich entschieden? 
 

Unser Team hat sich für die Challenge 1 „Quantum Machine Learning“ entschieden. Die grundsätzliche Aufgabe war hier mithilfe von QC aus herkömmlichen Machine-Learning-Verfahren ein Modell zu trainieren und die Features des Modells mithilfe von QC zu verbessern. Die Challenge kam von der Charité. Vereinfacht gesagt, ging es darum, dass aus vorhandenen EEG-Daten eine beabsichtigte Bewegung vorhergesagt werden soll. Es gab eine Aufzeichnung, die zeigte, wann eine Person eine bestimmte Bewegung ausführt. Ziel war es, diese Aufzeichnung so genau auszuwerten, dass sich Bewegungen genauer erkennen lassen. In der Praxis ist dies beispielsweise im Hinblick auf die Steuerung von Exoskeletten, etwa bei Schlaganfallpatienten wichtig. Es geht darum, dass eine Maschine die entsprechenden Hirnströme richtig interpretieren kann. Klassisches maschinelles Lernen stößt in solchen Fällen in puncto Signalgenauigkeit und -geschwindigkeit oft an Grenzen. Quantenalgorithmen haben hier großes Potenzial, bessere Ergebnisse zu erzielen. 

 

2. Wie hat Ihr Team Lösungen für diese Aufgabe entwickelt? 

 

Wir haben die bestehenden Test- und Trainingsdaten auf ihre Merkmale hin analysiert. Dann ging es darum, die Vorhersage des Modells zu verbessern. Dafür haben wir uns an dem gegebenen Verfahren orientiert und mithilfe der Funktionalitäten, die das KIPU Quantum Portal für den Hackathon bereitgestellt hat, versucht eine bessere Lösung zu entwickeln. Letztlich mussten wir die herausgearbeiteten Features reduzieren, damit wir mit acht Q-Bits arbeiten konnten. Dies war nach meiner Einschätzung zu wenig. Das optimierte Modell sollte dann angewendet auf neue Datensätze bessere Ergebnisse liefern. Da wir keinen der ersten drei Plätze erreicht haben, ist dies den anderen Teams vermutlich besser gelungen. 

 

3. Beim Quantum Hackathon hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit auf Algorithmen und Hardware zurückzugreifen, die ihnen sonst eher selten zur Verfügung stehen. Welche Lerneffekte ergeben sich daraus?  

 

Wir hatten Zugriff auf das KIPU Quantum Portal mit einem Budget von 10.000 Euro, mit dem wir sowohl auf QPU-Simulatoren als auch auf produktive QPUs zugreifen konnten. Das war sehr interessant, da man in kurzer Zeit vergleichsweise viel machen konnte. Darüber hinaus hat sich für mich beim Hackathon bestätigt, was derzeit weitestgehend einheitlich über QC gesagt wird: Die Technologie ist weiterhin mit Einschränkungen verbunden, obwohl sich die Anzahl der verfügbaren Q-Bits in den vergangenen Jahren vervielfacht hat. Zudem ist es eine kostenintensive Technologie, unser Budget war innerhalb eines Arbeitstages aufgebraucht. Und ich denke, es ist noch ein langer Weg und viel Forschung nötig, bis diese Technologie in der Praxis effektiv und effizient eingesetzt werden kann. 

 

4. Aus welchen Gründen würden Sie Forschenden raten, am Quantum Hackathon teilzunehmen? 
 

Der Quantum Hackathon hat mir gezeigt, wie sich bestehende Algorithmen mithilfe von QC optimieren lassen – vor allem in einem praktischen und relevanten Anwendungsszenario. Für mich hat der Hackathon dadurch manche theoretischen Aspekte des QCs greifbarer gemacht. Wer dahingehend Erkenntnisinteresse hat, für den ist die Teilnahme an so einem Hackathon sicherlich zielführend. Ich persönlich würde sagen, dass man auch bereits über Erfahrung in diesem Bereich verfügen sollte, bevor man teilnimmt. 

 

5. Welchen Effekt hat aus Ihrer Sicht so ein Hackathon für Berlin als QC-Standort? 
 
Solche Hackathons helfen der Berliner Start-up-Szene und dem Berlin University Alliance Exzellenzcluster dabei, in neuen Technologien präsent und sichtbar zu sein und in diesem Bereich eine führende Rolle einzunehmen. Aus meiner Sicht wären auch mehr Veranstaltungen dieser Art mit unterschiedlichen Niveaustufen sinnvoll. 

 

Weiterführende Links: 

 

Zur Person: 

Uwe Kuehn hat nach einer zwölfjährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr ein Informatikstudium mit dem Bachelor Sc. und Master Sc. abgeschlossen. Nach acht Jahren Berufstätigkeit als Informatiker wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der TU Berlin im Bereich verteilte Systeme. Seine Promotion beschäftigt sich mit dem Thema „Blockchain and digital currency“.