Portrait | xG-Incubator: Vernetzen, fördern, unterstützen – Wie der xG-Incubator die Berliner Telekommunikations-Szene voranbringt

Im Berliner xG-Incubator sollen aus Forschungsideen Start-ups werden und aus Start-ups Unternehmen mit Zukunft: Das Programm des Inkubators unterstützt Teams aus dem Telekommunikationsbereich mit bis zu 800.000 Euro Förderung, Zugang zu hochwertiger technologischer Infrastruktur sowie Mentoring und Business-Know-how. Warum der Inkubator mehr ist als Finanzierung.

 

Telekommunikationstechnologien, die 6G nutzen, sind im Alltag noch Zukunftsmusik – in der Forschung und Entwicklung jedoch längst alltäglich. Eine wesentliche Rolle für 6G spielt die Photonik, die Mikroelektronik und Quantentechnologien: durch optische Verfahren zur Übertragung und Berechnung lässt sich die Energieeffizienz in Mobilfunknetzen deutlich verbessern – und Quanteneffekte können für die Bereitstellung hochpräziser Signalquellen und zur sicheren Verschlüsselung genutzt werden. Auch Geschäftsmodelle, die auf diese deutlich leistungsfähigere Nachfolge von 5G setzen, gibt es bereits. Als Brücke zwischen Forschung, Entwicklung und Unternehmertum für 6G-Technologien versteht sich der xG-Incubator aus Berlin. Er ist Teil der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten StartUpConnect-Initiative sowie der TU Berlin und ist eng verbunden mit dem Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI. Das Programm des Inkubators richtet sich an Forschungsteams, Gründerinnen und Gründer sowie junge technologieorientierte Unternehmen im Bereich der nächsten Generation von Telekommunikationstechnologien. 

„Wir wollen 6G aus dem Berliner Forschungsumfeld in den Markt bringen und den Teams dabei möglichst viele Einstiegshürden abnehmen“, sagt Stella Edison, Marketing & Communications Managerin beim xG-Incubator. Für Teams gibt es bis zu 800.000 Euro equity-free, also ohne Abgabe von Unternehmensanteilen. Dazu kommt der Zugang zu hochwertiger Infrastruktur des HHI, zum Beispiel zu Testlaboren und Open-RAN- und Core-Infrastruktur, sowie Zugang einem Netzwerk aus Experten aus Industrie und Forschung, etwa aus dem Technologietransferhubs xG-RIC. Ganz wichtig ist auch die Unterstützung bei der Unternehmensentwicklung, damit aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wirklich Unternehmer werden. Dafür bietet der Inkubator unter anderem 1:1-Betreuung und regelmäßige Workshops an und vernetzt die Teams mit entsprechenden Mentoren. 

 

Zwei Phasen – zwei Reifegrade 

Der xG-Incubator hat zwei Phasen in seinem Programm. Phase 1 richtet sich an Teams aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die noch nicht gegründet haben. „Das sind Leute, die im Labor oder in der Dissertation an einer Technologie arbeiten und merken: daraus könnte mehr werden“, sagt Edison. In dieser Phase geht es darum, die Technologie zu validieren, einen Demonstrator oder Proof of Concept zu entwickeln und gleichzeitig herauszufinden, ob es ein tragfähiges Geschäftsmodell gibt. Phase 2 ist für Teams, die den Schritt zur Gründung bereits gemacht haben. Sie können bis zu 24 Monate begleitet werden. Das Ziel ist dann die Vorbereitung auf den Markteintritt und Wachstum, d.h. vor allem: Geschäftsmodell schärfen, Marktbereitschaft herstellen und die Anschlussfinanzierung vorbereiten. Wenn ein Unternehmen an der Phase 2 teilnehmen will, darf der Handelsregistereintrag nicht mehr als fünf Jahre zurückliegen. Etwa zehn Teams haben schon am Programm des Inkubators teilgenommen. 

Mehrere dieser Start-ups arbeiten an Schlüsseltechnologien. QuSine etwa baut hochpräzise Signalquellen auf Basis opto-elektronischer – also photonischer – Technologie. Dieselbe Technik kommt sowohl in Quantensystemen als auch in künftigen 6G-Netzen zum Einsatz. Das Start-up fiber-like, eine Ausgründung aus dem Fraunhofer HHI, überträgt Daten per Laser durch die Luft und schafft so eine drahtlose Alternative zur Glasfaser für den 5G- und 6G-Ausbau. Und Linque entwickelt photonische Chips, die in klassischen Halbleiterfabriken gefertigt werden – ein Beispiel dafür, wie Photonik und Mikroelektronik zusammenwachsen.  

Ort für die Berliner Telekommunikationsszene 

Darüber hinaus will der xG-Incubator auch ein Ort sein, an dem die unterschiedlichen Player im Bereich Telekommunikation aus Berlin zusammenkommen. „Bei unserer xG-Afterwork Networking Serie kommen alle Player aus dem Bereich zusammen, das heißt Wissenschaftler, Gründer, angehende Entrepreneure und Industrievertreter. Es gibt Keynotes und Start-up-Pitches, aber unser Hauptziel ist es, Leuten die Chance zu geben, sich wirklich auszutauschen. Da kommen neue Ideen auf, es entstehen Partnerschaften, und manche finden hier sogar ihren nächsten Job“, sagt Edison. Diese Art der Vernetzung ist auch ein weiterer Mehrwert für die betreuten Teams. 

Der Ansatz, nicht nur eine reine Förderung, sondern auch eine Begleitung für Teams zu sein, spiegelt sich auch in der personellen Zusammensetzung des xG-Incubators wider. Geleitet wird er von Prof. Dr.-Ing. Slawomir Stanczak. Er ist ordentlicher Professor für Netzwerktheorie an der TU Berlin und Leiter der Abteilung Drahtlose Kommunikation und Netze am HHI, zudem leitet er auch den Technologietransferhub xG-RIC. Zum weiteren Team gehören unter anderem ein Projektkoordinator, ein Cluster Manager, ein strategischer und finanzieller Berater sowie Mitarbeitende für Marketing, Kommunikation, Design und Entwicklung. Den Cluster Manager Felix Willems beschreibt Stella Edison als zentrale Figur für Auswahl und Begleitung der Teams. Er organisiert unter anderem Trainer und Trainerinnen, Mentoren und Mentorinnen sowie Workshops in unterschiedlichen Business-Bereichen. Der strategische und finanzielle Berater Michael Wehrheim unterstützt besonders bei Fragen der Weiterfinanzierung — etwa bei der Suche nach Investoren oder vor allem bei Teams in Phase 1 auf dem Weg zu weiteren Förderprogrammen wie zum Beispiel EXIST. Eine besondere Rolle würden auch die Designer im Team spielen. Sie helfen dabei, komplexe Technologien visuell darzustellen — also etwas sehr Kompliziertes so zu vereinfachen, damit es verständlich wird. 

Wie Teams zum Inkubator finden 

Teams finden auf unterschiedlichen Wegen zum xG-Incubator. „Über unsere eigene Netzwerkreihe xG-Afterwork und unsere Präsenz auf anderen Telekommunikations- und Startup-Events in Berlin kommen wir mit vielen Leuten ins Gespräch. Durch die TU und das HHI entstehen natürlich ebenfalls viele Kontakte. Und die Arbeit von Berlin Partner hilft uns dabei, uns im Berliner Ökosystem zu vernetzen. Wer Interesse hat, kann uns auf LinkedIn folgen, uns direkt eine E-Mail schreiben, oder sich auch erstmal unsere Webseite anschauen“, erklärt Stella Edison. Dort ist auch der formale Bewerbungsprozess beschrieben.  

Auch der Standort selbst hilft, wie es Stella Edison beschreibt: „Berlin ist einfach ein guter Ort für Start-ups, auch im Telekommunikationsbereich. Es ist international, es gibt viele Leute mit Gründergeist, und gleichzeitig ist die Wissenschaft hier richtig stark. Wenn diese zwei Welten aufeinandertreffen, und in Berlin können sie das, dann bieten sich tolle Möglichkeiten.“ 

 

Weiterführende Links: